Poker Mythen und was wirklich dahinter steckt![]()
- von Jan Meinert
Es gibt Leute, die reden viel und gerne. Und manchmal sitzen sie dann auch noch am Pokertisch. Das ständige Geblubber ist das eine, dass dann auch noch immer die selben Sprüche kommen, das andere. Von irgendwelchen Ratschlägen wie: „Achte auf dein Tableimage!“ zu Ansagen wie: „All I need is a chip and a chair!“, bis hin zu Weissheiten wie: “Beim Poker kann jeder gewinnen”, der Mund bleibt einfach nicht geschlossen. Wir haben uns diese Mythen einmal vorgeknüpft und zeigen, was dahinter steckt.
Poker Mythos Nr. 1: „Es geht beim Poker vor allem ums Bluffen“
Klar, durch Bluffen kann man auch mit einer miesen Hand den Pot gewinnen. Auf lange Sicht macht man aber den meisten Profit, wenn man solide Hände spielt. Bluffen ist sehr situationsgebunden und man sollte gerade an vollen Tischen eher sparsam davon Gebrauch machen. Gerade im Limit Poker spielt Bluffen eine untergeordnete Rolle. Wichtige Faktoren, die bei einem Bluff meist stimmen müssen, sind die Position, die Anzahl der Gegner, das Board, das Verhalten der Gegner und das Bauchgefühl.
Poker Mythos Nr. 2: „Man muss sich ein looses Image aufbauen“
In der Pokerwelt hat sich herumgesprochen, dass man sich durch Bluffs, die man den Gegnern auch zeigt, ein looses Image aufbauen muss, damit man die guten Hände auch ausbezahlt bekommt. Viele missverstehen diesen im Prinzip richtigen Grundsatz und meinen, sie müssten nun bluffen, was das Zeug hält. Fakt ist, dass die Hauptintention, die hinter einem Bluff steckt, ist, den Pot zu gewinnen. Ein bisschen bluffen reicht oft aus, um Action zu bekommen, wenn man dann wirklich etwas hat. Dabei sollte aber die Bildung eines Image eher ein Nebenprodukt sein und nicht der Hauptgrund. Ansonsten spielt man zu loose und unprofitabel, weil man zu oft blufft.
Poker Mythos Nr. 3: „A chip and an Chair is all you need“
Gerade in Turnieren hört man diesen Satz immer wieder, wenn just ein Spieler „gecrippled“ wurde, ihm also nur noch sehr wenige Chips verbleiben. Es gibt diesen Satz seit Jack „Treetop“ Straus die WSOP 1982 gewann, obwohl er zwischenzeitlich nur noch einen einzigen Chip hatte. Er war schon aufgestanden, um sich zu verabschieden, als er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass unter seiner Serviette noch ein Chip lag. Tatsache ist, dass es in einem Pokerturnier mit schnell steigenden Blinds sehr schwer ist, wieder zurückzukommen, wenn man nur noch sehr wenige Chips hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich vier- bis fünfmal hintereinander verdoppelt oder gar verdreifacht ist eher gering. Das Problem bei einem Microstack ist leider, dass man immer nur so viel gewinnen kann, wie man selber hat.
Poker Mythos Nr. 4: „Die besten Spieler sind alle super-aggressiv“
Die Wahrheit ist, dass es zwar einige gute, super.aggressive Spieler vom Schlage eines Gus Hansen gibt, meist funktioniert diese Taktik aber nur in Turnieren und beim No-Limit Cash-Game. Eine genaue Analyse der langfristigen Gewinner zeigt aber, dass es sich eher auszahlt, selektiv-aggressiv vorzugehen. Wenn du den Stil von Poker Urgesteinen wie Dan Harrington oder Chip Reese betrachtest, weisst du, was gemeint ist. Ein super-aggressiver Stil bringt einen einfach zu oft in schwierige Situationen, bei denen man plötzlich ohne Hand in teure Pötte verwickelt ist und die spielbestimmenden Faktoren auch keinen Bluff zulassen – eine teure Angelegenheit.
Poker Mythos Nr. 5: „Du musst bezahlen, um zu lernen“
Dieser Satz legt nahe, dass man erst tausende von Euros bezahlen muss, um ein akzeptabler Spieler zu werden. Die Realität sieht aber so aus, dass man sich heute viel Lehrgeld sparen kann, wenn man die Informationen nutzt, die einem die Pokerliteratur und das Internet zur Verfügung stellen. Natürlich macht Erfahrung einen guten Spieler, trotzdem kann man sich aber gerade in niedrigeren Limits zum Beispiel, durch die relativ simple Auswahl der Starthände, eine Menge Geld sparen. Viele Spieler üben heutzutage erst mal im Internet mit Playmoney und arbeiten sich dann langsam in den Limits nach oben, ohne dabei viel zu riskieren.
Poker Mythos Nr. 6: „Um ein guter Pokerspieler zu sein, braucht man vor allem Selbstbewusstsein“
Poker erfordert vom Spieler oft Mut und den hat man, wenn man über ein gesundes Mass an Selbstvertrauen verfügt. Dennoch sollte man sich davor hüten, sich selbst zu überschätzen. Selbstvertrauen ist eine feine Sache, die man sich aber durch Erfolgserlebnisse hart erarbeiten muss. Es bringt nichts, wenn man sich als Anfänger 50 Mal hintereinander einbläut „Ich bin der Beste und niemand kann mich schlagen“ – und sich dann in ein 50€/100€ Spiel setzt. Hüte dich davor, dich im Poker für unverwundbar zu halten. Du bist es nicht!